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Beilage 1 zum Rundbrief MBH 2. HJ 2006

 

Literaturland Hessen: Der Süden

Eine Ausstellung von hr2, dem Kulturradio des Hessischen Rundfunks, mit Unterstützung der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen

Autoren, deren Leben und Werk eng mit der Region zwischen Darmstadt, dem Odenwald und dem Ried verbunden sind, ist eine kleine Ausstellung in Heppenheim gewidmet: „Literaturland Hessen: Der Süden“ erinnert mit sieben Ausstellungstafeln und drei Vitrinen an die SchriftstellerInnen. Den Namen Georg Munk kennen heute selbst eingefleischte Leseratten kaum noch. Auch Adam Karrillon, der erste Träger des Georg Büchner Preises, ist von vielen vergessen worden; ebenso Ernst Glaeser, von dessen Roman „Jahrgang 1902“ Thomas Mann meinte, dass er „bestimmt bleiben“ würde. An diesen und andere Autoren will die Ausstellung im Foyer des Landratsamts in Heppenheim erinnern.

Manche von ihnen sind berühmt wie Georg Büchner, dessen Werke zu seiner Zeit kaum beachtet und erst im 20. Jahrhundert als frühe, geniale Vorläufer der Moderne erkannt wurden. Adam Karrillon dagegen war zu seiner Zeit ein berühmter Autor, dessen Bücher nicht nur Hermann Hesse schätzte: Er galt als der Dichter des Odenwaldes schlechthin. Georg Munk lebte und schrieb in Heppenheim, bis sie den Ort 1938 verließ; sie, denn hinter dem Männernamen verbarg sich Paula Buber. Die Romane der Ehefrau des weltbekannten Philosophen und Religionswissenschaftlers Martin Buber wurden bis zur „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten viel gelesen.

Die Ausstellung ist Teil des Projektes „Literaturland Hessen“, mit dem sich hr2, das Kulturradio des Hessischen Rundfunks, in Zusammenarbeit mit dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst, dem Hessischen Literaturrat, der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen und zahlreichen Partnern vor Ort auf literarische Spurensuche in Hessen begibt: Sendungen in hr2, Hörerreisen und Stadtspaziergänge auf den Spuren berühmter oder vergessener Autoren haben in den vergangenen beiden Jahren viel Vergessenes, Erstaunliches, aber auch Kurioses zu Tage gefördert und dabei langsam eine literarische Landkarte Hessens entstehen lassen, die nun auch in einer Reihe kleiner regionaler Ausstellungen abgebildet wird. Das Foyer des Landratsamts Heppenheim ist eine der Stationen, an denen natürlich der berühmteste Darmstädter, der Datterich, nicht fehlen darf: Auf einem Fernseher ist die vom Hessischen Rundfunk 1963 aufgezeichnete legendäre Inszenierung des Frankfurter Schauspiels zu sehen, in der Joseph Offenbach die Titelrolle spielte.

Die Ausstellung kann vom 15. November bis 15. Dezember 2006 während der Öffnungszeiten im Foyer des Landratsamts, Graben 15, in Heppenheim besichtigt werden: montags bis mittwochs von 8 bis 17 Uhr, donnerstags von 8 bis 19 Uhr, freitags von 8 bis 12 Uhr.

 

Joseph Dorfman
(1940-2006)

Joseph Dorfman, Komponist israelisch-russischer Abstammung, ist am 7. Juni 2006 in Los Angeles an einem Herzinfarkt gestorben. Dorfman gehört zu den jüdischen Komponisten, die in der Sowjetunion auf-gewachsen und ausgebildet worden sind. Erst in den 70er Jahren wurde die Ausreise nach Israel möglich. Musikalisch hat Dorfman aber die russisch-jüdische Schule wie sie am Gnessin-Institut in Moskau gelehrt wurde, konsequent weitergeführt. Er verband Elemente aus dem musikalischen Umkreis Schostakowitchs mit Elementen jüdischer Musik, wie Klezmer, den jüdischen Hochzeitsmusikern und Hazzanut, die Gesangskunst ashkenasischer Kantoren.

Mit dem Tod von Joseph Dorfman verliert die Welt einen Komponisten, der in einzigartiger Weise Modernität und "Jiddischkeit" zu einer neuen musikalischen Synthese geführt hat. Sein Vorbild war in gewisser Weise Mark Chagall, von dessen Gemälden er sich gerne inspirieren ließ wie bei den Fünf Bilder nach Mark Chagall für Klarinette, Violoncello und Klavier aus dem Jahre 1987.

 

Otto Schenk
28.6.1936 - 20.7.2006

Pfarrer Otto Schenk ist am 20. Juli im Wiebelsbach plötzlich und unerwartet im Alter von 70 Jahren gestorben. Wie das evangelische Dekanat Groß-Umstadt mitteilte, wurde als Todesursache Herzversagen angegeben. Als einen unverzichtbaren und überaus verlässlichen Partner und Freund in über dreißig Jahren Zusammenarbeit würdigte der Vorsitzende des Evangelischen Arbeitskreises Kirche und Israel in Hessen und Nassau, Ulrich Schwemer, den Verstorbenen.

Der 1936 in Eisenach geborene Theologe war von 1980 bis 1984 Generalsekretär des Koordinierungsrates der Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit. Nach Abschluss des Diakonieexamens in Berlin hatte er zunächst als Erzieher gearbeitet. 1963/64 war er Freiwilliger der Aktion Sühnezeichen (ASF) in Jerusalem, dort von 1966 bis

1971 erster ASF-Beauftragter in Israel. In seiner Amtszeit wurde das erste Begegnungszentrum für die Freiwilligen in Jerusalem gebaut. Von 1971 bis 1974 gehörte er zur Projektleitung der Versuchsfarm Wadi Maschasch in der Negev Wüste. Während dieser Jahre war er beim Berliner "Weltfriedensdienst" angestellt.

Nach seiner Rückkehr nach Deutschland im Jahr 1975 bis zu seinem Tod war er Mitglied im Evangelischen Arbeitskreis Kirche und Israel in Hessen und Nassau. Bis 1980 wirkte er als Pfarrer in Heubach und Wiebelsbach, von 1984 bis 1996 in Kleestadt. Bis zuletzt war er Vorsitzender des von ihm 1983 gegründeten Christlichen Vereins zum Kennen lernen des Judentums "Lomdim", in dessen Rahmen Fortbildungsprogramme mit israelischen Referenten und Fahrten nach Israel und in das europäische Ausland mit Schwerpunkt "Christlich-jüdisches Verhältnis" angeboten werden.


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