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Beilage zum Rundbrief 1/2005

Die Menora

Ein Gang durch die Geschichte Israels

Der Künstler:
Benno Elkan schafft 1949-1956 die Menora vor der Knesset mit 29 Einzelmotiven aus der Geschichte Israels und des Judentums.

Das Projekt:
Jüdische und christliche Wissenschaftler interpretieren die Einzelmotive, Hans-Georg Vorndran fotografiert die Menora.

Der Vortrag:
Hans-Georg Vorndran stellt die Einzelmotive zusammen mit den Interpretationen der Wissenschaftler vor.

 

Einführung

Die siebenarmige Menora ist ein wichtiges Symbol der jüdischen Tradition. Sie verkörpert das Licht, das von Gott geschaffen wurde, um Leben zu spenden und Erleuchtung zu bringen. In diesem Licht soll Israel wandeln und selber zu einem "Licht unter den Völkern" werden (Jes 42,6). Immer wieder taucht die Menora in der jüdischen Geschichte auf. Umrahmt von Olivenzweigen wurde sie 1948 zum offiziellen Emblem des Staates Israel. Der fünf Meter hohe Leuchter aus Bronze vor dem Parlamentsgebäude (der Knesset) in Jerusalem, der Thema dieses Buches ist, wurde 1956 von dem jüdischen Künstler Benno Elkan fertig gestellt und in dem gleichen Jahr von der British Labour Party der Knesset als "Geschenk des ältesten an das jüngste Parlament" übergeben. Auf der Menora sind 29 Motive abgebildet, die jeweils ein charakteristisches Moment der Geschichte Israels darstellen. So lädt die Menora dazu ein, über einen bestimmten Abschnitt dieser Geschichte, über Zusammenhänge zwischen den Motiven und die Geschichte Israels nachzusinnen. Das gleichnamige Buch folgt dieser Einladung, indem es in 29 Artikeln bei allen Motiven einzeln stehen bleibt, hin und wieder Querverbindungen und Möglichkeiten einer Zusammenschau aufzeigt.

Elkan hat im Laufe seines Lebens mehrere Menorot mit unterschiedlichen Motiven und das heißt mit unterschiedlichen Sichtweisen auf die Geschichte Israels - angefertigt. Über eines dieser Kunstwerke in der Westminster Abbey in London schreibt Elkan 1926, dass Mose, die Tafeln des Bundes enthüllend, das Zentrum bildet. Sieht Elkan zu jener Zeit Mose und die Tora als Mittelpunkt der jüdischen Geschichte, so rückt er nach der Schoa auf der Jerusalemer Menora die Auferstehungsvision des Propheten Ezechiel ins Zentrum der Betrachtung. Elkan führt uns vor Augen, dass es die Deutung der Geschichte Israels nicht gibt. Die Geschichte Israels zeigt ihre Lebendigkeit darin, dass sie jede Generation neu anspricht und keiner autoritativen Deutung unterliegt. Sogar die Bildkomposition der Jerusalemer Menora ist in ihrem Zusammenhang nicht eindeutig. Auch wenn Ezechiel und die Auferstehungsvision eine zentrale Position einnehmen, ist damit noch nicht gesagt, wie die prophetische Vision (Motiv 4) und die geschichtlichen Ereignisse, wie der Aufstand im Warschauer Getto (Motiv 3) und der Aufbau des Staates (Motiv 1) sich konkret zueinander verhalten. Hinzu kommt die Frage, welche Bedeutung man dem prophetischen Text auf dem untersten Arm der Menora beimisst: "Nicht durch Macht und nicht durch Kraft, sondern durch meinen Geist" (Sacharja 4,6). Auch die Jerusalemer Menora ist somit eine Einladung, selber über den Weg Gottes mit seinem Volk nachzudenken.

Das Buch

Das vorliegende Buch ist eine Frucht jüdisch-christlicher Begegnung, wie sie inWesteuropa nach 1945 langsam in Gang gekommen ist. In der Redaktionsgruppehat es eine jüdisch-christliche Zusammenarbeit gegeben, und sowohl jüdische alsauch christliche Autoren und Autorinnen haben an der Entstehung des Buchesmitgewirkt. Schließlich ist das Thema des Buches selbst Ausdruck jüdisch-christlicher Begegnung. "Die Menora. Ein Gang durch die Geschichte Israels"bezeugt als christlich initiiertes Projekt, dass Christen und Christinnen anfangenzu lernen, die Treue Gottes zu seinem Volk Israel bis heute ernst zu nehmen. Vondieser Erkenntnis her wächst neues Nachdenken über die Geschichtlichkeit Gottes, in Israel und - von Israel her -auch unter den Völkern. Insofern dieJerusalemer Menora dazu beiträgt, diesen Weg zu suchen und zu gehen, wird siezum Licht der Völker.

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