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Martin-Buber-Haus – Rundbrief 2/2004

Rundbrief
  August 2004
Veranstaltungen
  2. Halbjahr 2004
MARTIN-BUBER-HAUS
INTERNATIONALER RAT DER
CHRISTEN UND JUDEN e.V.
Werléstraße 2, 64646 Heppenheim
Tel. 06252/93120, Fax. 68331
eMail Postmaster@Martin-Buber-Haus.de
www.Martin-Buber-Haus.de
Thema: Antisemitismus gestern   und heuteInhalte

Bedrohung der Demokratie

Angeregt durch die Planungen der Evangelischen Kirche an der Bergstraße zum Reformationstag 2004 und die Antisemitismuskonferenz in Berlin entstand die aktuelle Veranstaltungsreihe des Martin-Buber-Hauses zum Thema “Vom historischen Phänomen zur aktuellen Bedrohung – Erscheinungsbilder des Antisemitismus gestern und heute.“

Antisemitismuskonferenz

Vom 28. bis 29. April 2004 fand auf Einladung der Bundesregierung eine hochrangige Antisemitismuskonferenz der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) statt. Alle 55 OSZE-Staaten und rund 150 Nichtregierungsorganisationen (NRO) waren in Berlin vertreten. Zum Abschluss der Konferenz einigten sich die Teilnehmer auf eine “Berliner Erklärung“ zur Bekämpfung des Antisemitismus. Die OSZE-Staaten wollen u.a. mit rechtlichen und erzieherischen Mitteln erreichen, dass “alle Lebensbereiche frei von antisemitischen Übergriffen und frei von antisemitischer Gewalt und Diskriminierung sind.“

Zivilcourage und Demokratie

Der damalige Bundespräsident Johannes Rau forderte in seiner Rede auf der Konferenz, jede Form von Rassismus und Antisemitismus zu bekämpfen und Gewalttäter konsequent zu bestrafen. “Und wir brauchen noch mehr: Wir brauchen Zivilcourage. Mehr Zivilcourage. Niemand darf wegsehen, wenn er Zeuge wird von Gewalt gegen Menschen anderer Hautfarbe; gegen Menschen anderer religiöser oder politischer Überzeugungen; gegen Menschen mit Behinderungen.“

Bundesaußenminister Joschka Fischer machte in seiner Rede den Bezug zur Demokratie deutlich. “Und wie wir in unseren Staaten mit Minderheiten – und zuallererst mit Bürgerinnen und Bürgern jüdischen Glaubens – umgehen, sagt sehr viel über uns selbst. Wie willkommen, wie heimisch und sicher sich jüdische Menschen bei uns fühlen, ist ein entscheidender Gradmesser dafür, wie es um unsere Demokratie bestellt ist.“

Geschichtsverständnis

Im Martin-Buber-Haus soll das Phänomen des Antisemitismus anhand von vier Einzelvorträgen und einer Ausstellung im weiteren historischen Kontext betrachtet werden. Durch die Abfolge der Themen wird die Entwicklung des Antisemitismus in einer chronologischen Linie vom Neuen Testament über Luther, das 19. Jahrhundert und dem Nationalsozialismus bis in die Gegenwart entfaltet.

Als Referenten konnten u.a. der Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin und der designierte Preisträger der Buber-Rosenzweig-Medaillie 2005, Theologe Prof. Dr. Peter von der Osten-Sacken, gewonnen werden.
  


Ausstellung “Stationen des Antijudaismus“
Vom Kirchenvater Cyprian bis Adolf Hitler.

Reformationstag 2004 Veranstaltungsreihe der Evangelischen Kirche an der Bergstraße.

Ehrenbürgerschaft
Heppenheim zeichnet Buber Enkelin aus.

Rückschau Hessentag

94. Psalm in Erzählung und Klang

Veranstaltungen 2. Halbjahr 2004


Religiöse Festtage
2.Hj 2004

Jüdische Feste
16./17.09. Rosch HaShana
     5765 (Neujahr)
25.09. Jom Kippur
     (Versöhnungstag)
30.09 – 06.10. Sukkoth
     (Laubhüttenfest)
07.10. Simchat Thora
     (Thora-Freudenfest)
08.-15.12. Chanukka
     (Weihfest)

Islamische Feste
11.09. Mohammeds
     Himmelfahrt
14.10.-13.11. Ramadan
     (Fasten)
14.-16.11. Id al-Fitr
     (Fest des Fastenbrechens)


      



Editorial: Neuigkeiten aus dem Martin-Buber-Haus

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freundinnen und Freunde des Martin-Buber-Hauses
und des Internationalen Rates der Christen und Juden,

ich freue mich, Ihnen mit diesem Rundbrief das Programm für die zweite Jahreshälfte 2004 vorstellen zu können. Mit dem Einräumen der Bibliothek, dem Ausbau der Martin-Buber-Ausstellung und dem Hessentag in Heppenheim liegt ein sehr arbeitsreiches Halbjahr hinter uns, das wir ohne die Hilfe ehrenamtlicher HelferInnen in dieser Form nicht hätten bewältigen können. Vielen Dank allen, die an der einen oder anderen Stelle beteiligt waren.

Bibliothek
Nach Abschluss der Renovierung des Martin-Buber-Hauses sind seit Ende Februar weitgehend alle Bücherkisten ausgeräumt und in leicht veränderter Ordnung wieder in den Regalen zugänglich. Sämtliche Bücher von und über Martin Buber sowie Erstausgaben und die Goethe-Gesamtausgabe aus Bubers Originalbesitz haben ihren Platz jetzt im Erdgeschoß in den Vitrinen in Paula Bubers ehemaligem Arbeitszimmer gefunden.
Leider mussten wir beim Einsortieren der Bücher feststellen, dass wir einen gewissen Schwund zu verzeichnen haben. Bitte geben Sie ggf. bereits länger ausgeliehene Bücher zurück. Vielen Dank.

Martin-Buber-Ausstellung
Pünktlich zum Hessentag wurde durch die Finanzierung des Arbeitskreises Kirche und Israel (AKKI) eine repräsentative Dauerausstellung über Leben und Werk Bubers fertig gestellt. Die inhaltlich erweiterten und in eine größere stabile Form gebrachten Ausstellungstafeln basieren auf dem Grundkonzept der bekannten Martin-Buber-Wanderausstellung “Who is MB?“. Konzeption, Layout und Ausführung lag wieder in der professionellen Hand des AKKI-Vorstandsmitglieds, Hans-Georg Vorndran. Dem AKKI und Hans-Georg Vorndran sei für jegliche Unterstützung herzlich gedankt!

Martin-Buber-Haus-Leporello
Aus der Motivation eines erfolgreichen Hessentags heraus, haben wir ein Faltblatt über das Martin-Buber-Haus und die Regionale Bildungsarbeit entwickelt. Das Leporello ist derzeit im Druck und liegt voraussichtlich zum Tag des offenen Denkmals am 12. September 2004 vor.

Homepage im Internet
Seit kurzem haben wir für das Martin-Buber-Haus die gut zu merkende Internetadresse www.Martin-Buber-Haus.de einrichten können. Von hier aus werden Sie direkt zu den deutschsprachigen Internetseiten des Internationalen Rats der Christen und Juden www.iccj.org weitergeleitet. Dort finden Sie alle Informationen zu unseren Veranstaltungen und vieles mehr.

Besetzung des Generalsekretariats
Die Stelle der/des Generalsekretärin/s des Internationalen Rats der Christen und Juden im Martin-Buber-Haus wird voraussichtlich bis Ende 2004 neu besetzt werden.

Zum neuen Jahr
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Martin-Buber-Hauses und des Internationalen Rates der Christen und Juden wünschen Ihnen und Ihren Familien ein gesegnetes neues Jahr 5765.
  



  

  

  

  



  

  

Ich grüße Sie herzlich!

Andrea Thiemann
Regionale Bildungsarbeit
Martin-Buber-Haus
Werléstrasse 2
64646 Heppenheim
Tel. 06252-931217 (Freitags)
Mobil 0170-4559790
Postmaster@Martin-Buber-Haus.de
www.Martin-Buber-Haus.de

  

Heppenheimer   Ehrenbürgerschaft für
  Buber Enkelin
Rückschau:   Hessentag im
   Martin-Buber-Haus

Bewahrt das geistige Erbe Bubers

Heppenheim verleiht der Enkelin Judith Buber-Agassi die Ehrenbürgerschaft

HEPPENHEIM. An ihrem 80. Geburtstag ist Judith Buber-Agassi gestern (17.6.) vor gut 100 Gästen zur Ehrenbürgerin von Heppenheim ernannt worden. Mit der Auszeichnung, die zuletzt der frühere langjährige Bürgermeister Wilhelm Metzendorf erhalten hatte, wollten die Stadtverordneten die “geistige Verbundenheit“ der Enkelin von Martin Buber mit ihrem Geburtsort und ihre Anstrengungen, das Erbe des wohl bekanntesten Heppenheimer Bürgers zu bewahren, würdigen. Der Theologe und Philosoph Martin Buber hatte von 1916 bis zu seiner Emigration im März 1938 mit seiner Familie in der Kleinstadt an der Bergstraße gewohnt.

Judith Buber-Agassi wurde 1924 als Tochter von Bubers Sohn Rafael in Heppenheim geboren. 1938 emigrierte sie mit der Familie nach Jerusalem. Sie studierte in Jerusalem und promovierte in London. Ihr wissenschaftliches Engagement widmete sie der Rolle der Frau in Beruf und Gesellschaft. Forschungsaufenthalte brachten Buber-Agassi nach Frankfurt, Hongkong, Illinois oder Boston. Buber-Agassi, die mit ihrem Mann in Herzlia in Israel lebt, betreut den Nachlass Martin Bubers und wird zur Gesamtausgabe einen wissenschaftlichen Beitrag leisten.

Bei dem Festakt wurde auch an die Geschichte der Juden von Heppenheim erinnert, die nach 600 Jahren unter der nationalsozialistischen Herrschaft aus der Stadt vertrieben worden waren. Heute hat der Internationale Rat der Christen und Juden im Martin-Buber-Haus seinen Sitz.

Buber-Agassi sagte, sie habe die Ehrenbürgerschaft angenommen, weil sie hoffe, viele Heppenheimer dazu bewegen zu können, sich mit dem Werk ihres Großvaters zu beschäftigen. Außerdem wolle sie einen Beitrag zur Erinnerung an die Heppenheimer Juden leisten. Sie lobte das gute Verhältnis in der Stadt zu den heute hier lebenden Ausländern und sprach von einem “beneidenswerten Zustand des friedlichen Zusammenlebens mit den Nachbarn“, den Deutschland im Gegensatz zu Israel habe. Iff

(Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.06.2004)

Veranstaltungen 2. Halbjahr 2004

Erwartungen weit übertroffen!

Mit insgesamt über 950.000 Besucherinnen und Besuchern von Festgelände und 1000 Einzelveranstaltungen war der Hessentag insgesamt ein sehr großer Erfolg für die Stadt Heppenheim. Allein die ca. 380 Gäste im Martin-Buber-Haus während dieser Woche haben unsere Erwartungen bei Weitem übertroffen. Während der Zulauf bis zum früheren Nachmittag eher verhalten war, drängten sich die Menschen pünktlich zum Vortrag oder zur Filmvorführung über Leben und Werk Martin Bubers um 16.00 Uhr. In zahlreichen Einzelgesprächen konnten wir erfahren, dass die meisten ihren Weg nach dem Studium des Hessentagsprogramms ganz gezielt ins Martin-Buber-Haus gefunden hatten. Besonders gefreut haben wir uns über die Besuche Heppenheimer BürgerInnen, denen das Haus zwar seit langem bekannt ist, die aber den Weg hinein bisher nicht gefunden hatten. Viele haben ihre Adressen hinterlassen und werden jetzt erstmalig diesen Rundbrief erhalten. Da es während des Hessentags offenbar gelungen ist, die Hemmschwelle zum Eintritt ins Martin-Buber-Haus herabzusetzen, weckt vielleicht auch eine der aktuellen Veranstaltungen das Interesse, sich mit Themen wie Antisemitismus und interreligiösem Dialog auseinanderzusetzen!

        
      Aus dem Regionalkantorat Bensheim

94. Psalm in Erzählung und Klang

Auf Anfrage des Regionalkantorats in Bensheim möchten wir auf die folgende Veranstaltung aufmerksam machen: Am 31. Oktober um 17.00 Uhr wird Walter Renneisen in St. Georg in Bensheim die Erzählung "Mein ist die Rache - der 94. Psalm" von Friedrich Torberg lesen. Torberg wurde 1908 in Wien geboren und lebte in Prag. Seine Werke wurden 1933 in Deutschland verboten. 1939 floh er in die USA, von wo er 1951 nach Österreich zurückkehrte. In seiner Literatur macht er häufig sein Judentum zum Thema. Er starb 1979.

Im Anschluss an die Lesung erklingt, von Regionalkantor Gregor Knop gespielt, die Vertonung des 94. Psalms von Julius Reubke, der als Schüler Franz Liszts eine hochvirtuose Orgelsinfonie entlang der Stimmungen des Psalms komponierte. Der Eintritt beträgt 9, ermäßigt 6 Euro. Karten sind erhältlich bei der Bensheimer Bücherstube und der Bücherkiste in Auerbach sowie an der Abendkasse.


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