Bewahrt das geistige Erbe BubersHeppenheim verleiht der Enkelin Judith Buber-Agassi die Ehrenbürgerschaft HEPPENHEIM. An ihrem 80. Geburtstag ist Judith
Buber-Agassi gestern (17.6.) vor gut 100 Gästen zur Ehrenbürgerin von
Heppenheim ernannt worden. Mit der Auszeichnung, die zuletzt der frühere
langjährige Bürgermeister Wilhelm Metzendorf erhalten hatte, wollten die
Stadtverordneten die “geistige Verbundenheit“ der Enkelin von Martin Buber
mit ihrem Geburtsort und ihre Anstrengungen, das Erbe des wohl bekanntesten
Heppenheimer Bürgers zu bewahren, würdigen. Der Theologe und Philosoph Martin
Buber hatte von 1916 bis zu seiner Emigration im März 1938 mit seiner Familie
in der Kleinstadt an der Bergstraße gewohnt. Judith Buber-Agassi wurde 1924 als Tochter von Bubers Sohn
Rafael in Heppenheim geboren. 1938 emigrierte sie mit der Familie nach
Jerusalem. Sie studierte in Jerusalem und promovierte in London. Ihr
wissenschaftliches Engagement widmete sie der Rolle der Frau in Beruf und
Gesellschaft. Forschungsaufenthalte brachten Buber-Agassi nach Frankfurt,
Hongkong, Illinois oder Boston. Buber-Agassi, die mit ihrem Mann in Herzlia in
Israel lebt, betreut den Nachlass Martin Bubers und wird zur Gesamtausgabe einen
wissenschaftlichen Beitrag leisten. Bei dem Festakt wurde auch an die Geschichte der Juden von
Heppenheim erinnert, die nach 600 Jahren unter der nationalsozialistischen
Herrschaft aus der Stadt vertrieben worden waren. Heute hat der Internationale
Rat der Christen und Juden im Martin-Buber-Haus seinen Sitz. Buber-Agassi sagte, sie habe die Ehrenbürgerschaft
angenommen, weil sie hoffe, viele Heppenheimer dazu bewegen zu können, sich mit
dem Werk ihres Großvaters zu beschäftigen. Außerdem wolle sie einen Beitrag
zur Erinnerung an die Heppenheimer Juden leisten. Sie lobte das gute Verhältnis
in der Stadt zu den heute hier lebenden Ausländern und sprach von einem “beneidenswerten
Zustand des friedlichen Zusammenlebens mit den Nachbarn“, den Deutschland im
Gegensatz zu Israel habe. Iff
(Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.06.2004)
Veranstaltungen 2. Halbjahr 2004
| Erwartungen weit übertroffen!Mit insgesamt über 950.000 Besucherinnen und Besuchern von
Festgelände und 1000 Einzelveranstaltungen war der Hessentag insgesamt ein sehr
großer Erfolg für die Stadt Heppenheim. Allein die ca. 380 Gäste im
Martin-Buber-Haus während dieser Woche haben unsere Erwartungen bei Weitem
übertroffen. Während der Zulauf bis zum früheren Nachmittag eher verhalten
war, drängten sich die Menschen pünktlich zum Vortrag oder zur Filmvorführung
über Leben und Werk Martin Bubers um 16.00 Uhr. In zahlreichen
Einzelgesprächen konnten wir erfahren, dass die meisten ihren Weg nach dem
Studium des Hessentagsprogramms ganz gezielt ins Martin-Buber-Haus gefunden
hatten. Besonders gefreut haben wir uns über die Besuche Heppenheimer
BürgerInnen, denen das Haus zwar seit langem bekannt ist, die aber den Weg
hinein bisher nicht gefunden hatten. Viele haben ihre Adressen hinterlassen und
werden jetzt erstmalig diesen Rundbrief erhalten. Da es während des Hessentags
offenbar gelungen ist, die Hemmschwelle zum Eintritt ins Martin-Buber-Haus
herabzusetzen, weckt vielleicht auch eine der aktuellen Veranstaltungen das
Interesse, sich mit Themen wie Antisemitismus und interreligiösem Dialog
auseinanderzusetzen! | Aus dem Regionalkantorat Bensheim | 94. Psalm in Erzählung und KlangAuf Anfrage des Regionalkantorats in Bensheim möchten wir
auf die folgende Veranstaltung aufmerksam machen: Am 31. Oktober um 17.00 Uhr
wird Walter Renneisen in St. Georg in Bensheim die Erzählung "Mein ist die
Rache - der 94. Psalm" von Friedrich Torberg lesen. Torberg wurde 1908 in
Wien geboren und lebte in Prag. Seine Werke wurden 1933 in Deutschland verboten.
1939 floh er in die USA, von wo er 1951 nach Österreich zurückkehrte. In
seiner Literatur macht er häufig sein Judentum zum Thema. Er starb 1979. Im Anschluss an die Lesung erklingt, von Regionalkantor
Gregor Knop gespielt, die Vertonung des 94. Psalms von Julius Reubke, der als
Schüler Franz Liszts eine hochvirtuose Orgelsinfonie entlang der Stimmungen des
Psalms komponierte. Der Eintritt beträgt 9, ermäßigt 6 Euro. Karten sind
erhältlich bei der Bensheimer Bücherstube und der Bücherkiste in Auerbach
sowie an der Abendkasse.
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