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Bergsträsser Anzeiger 10.02.2003: Fest zu Ehren von Buber

Große Resonanz bei mehreren Jubiläums-Veranstaltungen

Heppenheim. "Who is MB?". Dieser Frage widmet sich eine Ausstellung, die seit Samstag und noch bis zum Sommer im Martin-Buber-Haus an der Werléstraße in Heppenheim zu sehen ist. Im ehemaligen Arbeitszimmer des jüdischen Religionsphilosophen und dem heutigen Vortrags- und Veranstaltungsraum des Internationalen Rates der Christen und Juden (ICCJ) kann der Betrachter auf 20 Schautafeln einen Einblick in Bubers Denken, jedoch vor allem einen Eindruck von seiner Person, seinem Leben und seinem Aufenthalt in Heppenheim gewinnen.

Buber entwickelte in Heppenheün unter anderem sein dialogisches Prinzip, das er in seinem Werk "Ich und Du" erklärte. Dort, wo Martin Buber – er wäre am Samstag 125 Jahre alt geworden – von 1916 bis 1938 vor seiner de facto Vertreibung ml seiner Familie lebte, fanden sich 150 Gäste ein, 'um der Vernissage beizuwohnen. Zu diesem Anlass hatte auch die pädagogische Sektion der Martin-Buben-Gesellschaft, die von Freitag bis Sonntag im “Haus am Maiberg" zu ihrem dritten Seminar zusammen kam, ihre Tagung unterbrochen. Zudem gab es arn selben Tag aus Anlass des Geburtstags eine Stadtführung, bei der sich 120 Teilnehmer gemeinsam mit Stadtarchivar Harald E. Jost auf den Spuren von Martin Buber bewegen konnte. Nach der Ausstellungseröffnung wurde auch noch in die Kapelle des "Hauses am Maiberg" eingeladen, dort war der Film "Ich stoße das Fenster auf..." zum Leben und Werk des Philosophen zu sehen.

Geschaffen hat die Ausstellung Studienrat Hans-Georg Vorndran aus Groß-Gerau. An der dortigen Martin-Buber-Schule, einer Integrierten Gesamtschule, unterrichtet er die Fächer Deutsch, Gesellschaftslehre und evangelische Religion. "In der Arbeit mit meinen Schülern ergaben sich in all diesen Fächern Aknüpfungspunkte zu Martin Buber", erklärte Vorndran, der im Arbeitskreis "Kirche und Israel" der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau engagiert ist. Aus der Tatsache, dass es kein schülergerechtes Arbeitsmaterial gab, entstand eine Arbeitsmappe, bevor der Pädagoge die Materialien zur Ausstellung weiterentwickelte. So bietet die Konzeption Schülern und Erwachsenen wie auch "Anfãngern" und "Fortgeschrittenen" einen Zugang. Die gesamte Ausstellung kann ausgeliehen werden. Angesprochen werden sollen nicht nur Schulen, sondern auch christliche und jüdische Gemeinden. rus


Bergsträsser Anzeiger 10.02.2003

"Sein Denken, Werk. und Leben macht das Haus zum Symbol"

Heppenheim. Auch Lothar Stiehm, Vorsitzender der Martin-Buber-Gesellschaft und Verleger des Religionsphilosophen, war Gast bei der Vernissage "Who ist MB?" zum' 125. Geburtstag von Martin Buber in Heppenheim.

Pastor Friedhelm Pieper, Generalsekretär des Internationalen Rates der Christen und Juden (ICCJ), neben Hans-Georg Vorndran, dem Urheber, Autor und Gestalter der Ausstellung, auch Heppenheims Bürgermeister Ulrich Obermayr sowie dem ebenfalls im EKHN-Arbeitskreis "Kirche und Israel" tätigen Pfarrer Ulrich Schwemer von der evangelischen Christuskirchengemeinde, sowie Peter Kühn, Rektor der Martin-Bube-Schule Heppenheim.

"Das, was dieses Haus ausmacht, ist etwas, was man nicht sehen kann", leitete Pieper seine Ausführungen zu Martin Buber und dem interreligiösen Dialog ein, mit dem er sich in seiner Eröffnungsansprache beschäftigte. "Es sind die Einsichten, die Martin Buber gewonnen und hier niedergeschrieben hat. Sein Denken, sein Werk und sein Leben, macht dieses Haus zu einem Symbol. Es ist ein Symbol für das dialogische Denken, für die jüdische Geschichte in Deutschland und für die deutsche Geschichte."

Das dialogische Denken des Religionsphilosophen habe von hier aus die Reise in die Welt angetreten, auch wenn er sich selbst nicht als dessen "Erfinder" habe sehen wollen. "Den säkularen Denkern ist er viel zu sehr mit religiösen Themen beschäftigt. Den Religiösen ist er viel zu gegenwartsbezogen. Und so ist er eine Herausforderung geblieben, die unverändert anhält", beschrieb Pieper Gründe, warum Bubers Gedanken bis heute so wichtig sind.

Als er sich in den zwanziger und dreißiger Jahren mit dem dialogischen Denken beschäftigt habe, sei dies noch kaum ein Thema in den großen Religionsgemeinschaften gewesen. "Er ist einer der Ersten, die die offene und ungeschützte Begegnung zwischen Menschen unterschiedlichen Glaubens als eine auch religiös positiv beschreibbare Möglichkeit vorstellt. So wird Buber zu einem Pionier des interreligiösen Dialoges, dessen zunehmende Wichtigkeit für das Überleben der Menschheit bewusst wird."

Dabei schwebe dem Denker keine abstrakte Religionswissenschaft vor, sondern die rückhaltlose Begegnung von Menschen mit ihren jeweiligen Überzeugungen stehe im Mittelpunkt ganz im Sinne der Vision einer neuen Sprache zwischen den Religionen. Diese eröffne gegenseitige Möglichkeiten zur Gestaltung und Weiterentwicklung.  rus


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